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Nochmal “Lieder wie Orkane”

31. Oktober 2011 - 17:49 Uhr

Weil ich gerade so gut drauf bin und ihr Fragen stellt, lest dies:

Die Intention von “Lieder wie Orkane” ist einfach erklärt. Sie sollte ein Zeichen sein. Von allen Onkelz gewollt und zusammengestellt. Unsere persönlichen Highlights für die, die eben noch nicht im Besitz aller Onkelz-CDs sind. Für die, die sich für uns interessieren und vielleicht infizieren lassen wollen. Für alle anderen, so hofften wir, dokumentiert „Lieder wie Orkane“ den Schritt aufeinander zu in Richtung Onkelz.
Naiv? Na und? Ich gebe zu, der Zeitpunkt meines Statements und die kurz danach verkündete Veröffentlichung der Box war unglücklich. Darüber waren wir uns von vornerein im Klaren. Es war uns bewusst, dass es Kritik, Fragen und Vorwürfe geben würde. Und wer Böhses denken wollte, würde die Gelegenheit nutzen. Wir dachten daran, das Statement nach dem Releasetermin zu veröffentlichen. Das habe ich abgelehnt. Dann hätte es geheißen, ich müsste für meine DVD werben, Tickets für meine Tour verkaufen oder ähnliches. Ich wollte mit meinem Plädoyer nicht taktieren, und wusste, egal zu welchem Zeitpunkt es veröffentlicht würde, es würde Diskussionen geben. Ihr müsst wissen, dass ich meine Gedanken zum Thema Onkelz nicht an einem Tag geschrieben habe, es gärte monatelang und musste einfach raus. Jetzt! Ich musste meiner Intuition folgen und hatte geglaubt, ihr würdet nicht derart an meinen Worten zweifeln. Gerade wegen des Zeitpunkts, aber nicht vorhandenen Zusammenhangs. Ich dachte, wenn diese Zeilen von Herzen kommen, würden die meisten es fühlen. Schade. Wer an der Aufrichtigkeit meiner Worte zweifelt, mir strategisches Denken unterstellt, der muss mich für blöd halten. Wer denkt sich denn so was aus? Glaubt ihr, ich halte euch für bescheuert?
Eure Worte können mich zwar nicht verletzen, aber ich frage mich, wie tief sind wir gefallen?
Es kling zwar kitschig, aber wir sind stolz auf die Onkelz, und wir wollten all den negativen Berichten und Vorkommnissen in letzter Zeit etwas entgegen setzen. Wir haben das gemeinsam entschieden, und freuten uns schon auf den Aufschrei da draußen, sollte das Teil charten.

Freedom of choice:
Dieses ganze Kommerz-Gelaber ist doch einfach nur noch lächerlich und genau so wird es von uns wahrgenommen. Wer das Teil nicht kaufen will, lässt es. Kauft euch ein Handy, esst bei McDonalds, und schaut RTL, das ist unkommerzieller als die Onkelz. Keiner braucht sich von einer Bonus-DVD genötigt zu fühlen, zu kaufen, was er schon hat. Die Loreley-Songs werden eh am nächsten Tag auf YouTube zu sehen sein, so what?
Dass ein Teil von euch immer noch mit Kommerzvorwürfen kommt, nimmt langsam tragische Züge an, kratzt uns aber nicht. Wer erfolgreich ist, muss mit diesem Vorwurf leben. Wir wissen, dass es keine Band mit ähnlichem Status gibt, die so wenig geldgesteuert agierte, wie wir. Wir teilen durch vier, wie immer, steckten viel Geld in unsere Struktur und unsere Freiheit, um zu tun, was wir wollten und wann wir es wollten. Dass es bei den Onkelz primär nie ums Geld ging, dafür lege ich meine Hand ins Feuer, und unterzieh mich einem Lügendetektortest. Arm, dass ich so etwas schreiben muss, aber auch ein spannender Gedanke: Ich, verkabelt und zur Schau gestellt, alle Zweifler anwesend… Haha, ich würde einiges dafür geben, in ihre Gesichter zu schauen, wenn das Ergebnis bekannt gegeben würde. Dass wir viel Geld mit den Onkelz verdienen durften, dafür müssen wir uns nicht schämen. Dass wir heute, ab und zu, ein neues Onkelz-Shirt rausbringen und in zehn Jahren zwei Compilations rausgebracht haben, ist alles andere als kommerziell. Unser Vertrieb und unsere Geschäftspartner hassen uns dafür, weil wir eben nicht alle Möglichkeiten ausnutzen, unseren Katalog und unsere Fanartikel an die Frau/Mann zu bringen. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen, fragt euch selbst, was die wahren Beweggründe für eure Vorwürfe sind. Unsere Geldgeilheit ist es jedenfalls nicht. Wir haben uns diesbezüglich nichts vorzuwerfen. Das sagen zu können, erfüllt mich nach wie vor mit Stolz. Mit diesem Wissen schlafe ich extrem gut. Also, an alle Kommerz- Krakeeler, nehmt es nicht mir nicht übel, aber ihr tut mir aufrichtig leid. Das meine ich nicht höhnisch. Anstatt zu schätzen und zu bewahren, was ihr hattet, grollt ihr vor euch hin, beansprucht die Wahrheit, und glaubt, das Wissen zu haben, ein Urteil über uns fällen zu können. “Lieder wie Orkane” wird uns nicht reich, aber auch nicht ärmer machen, kauft sie oder lasst es, zerreißt sie oder freut euch. Kauft euch vom gesparten Geld ein Buch. Lest! Das würde mich freuen, aber bitte hört auf, eure Spekulationen als Erkenntnisse zu verkaufen. In eurem eigenen Interesse.

Jetzt müsste eigentlich ein Werbebanner aufgehen und Onkelz-Klingeltöne anbieten.

Der Schlussakkord:
Lasst die Onkelz in Ruhe und stürzt euch auf mich. Ich steh da drauf. Ich bin Kommerz und mache keine Kunst, sondern Geld. Mein Merch-Shop soll eure Kirche sein, meine Texte euch blenden. Nehmt mich, dann müsst ihr nicht anfangen darüber nachzudenken, von wem ihr wirklich verarscht werdet. Von euch selbst!
Ach ja: Auch wenn es traurig ist, muss ich manchmal darüber lachen. Nicht schadenfreudig laut, eher schmunzelnd wissend. Ja, ich war genauso! Ich weiß aber nicht, hätte es damals schon das Internet gegeben, ob ich den Sex Pistols in ihr Forum geschrieben hätte, nachdem ich herausbekam, dass sie von Malcolm McLaren gecastet wurden. Wie unpunkig ist das denn? Ich liebe sie noch heute, und bin ihnen zu ewigen Dank verpflichtet, dass sie mein Leben verändert und meinem Wahnsinn ein zuhause gegeben haben. Never mind……

Stephan

Fast hätte ich es vergessen: Über den Preis der Box reden wir noch, denn den finde ich ebenfalls happig.

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“Lieder wie Orkane”

19. Oktober 2011 - 08:21 Uhr

Hallo Freunde

Ihr habt es schon an Stephans Statement vergangene Woche gesehen: Es gärt wieder einiges zum Thema Onkelz und alle haben wieder große Lust daran, an dem Thema zu arbeiten. Ihr könnt euch freuen, denn das Thema Onkelz ist es weiterhin wert, am Leben gehalten zu werden. Und zwar so, wie sich die Onkelz das selbst vorstellen.

Es herrscht hinter den Kulissen – und auch davor – nicht erst seit Kevins Unfall wieder eine gesteigerte Motivation (nein, ein gesteigerter Wille), das Thema Onkelz wieder mal in das Licht zu rücken, in das es aufgrund der Bedeutung der Band gehört. Basta, kein Raum für Diskussionen. Im 31. Jahr nach Gründung der Band, manifestiert sich dieses Engagement mal wieder in einem Produkt. Wer jetzt schreit, soll das gerne tun. Hier in Frankfurt hatte man einfach das dringende Bedürfnis, die Onkelz zurück in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu wuchten. Und zwar nicht durch einen lauwarmen Aufguss alter Taten, sondern durch einen großen Aufschlag, wie ihr es gewohnt seid. Und deshalb kommt am 02.12. mit “LIEDER WIE ORKANE” mal wieder neues aus dem Hause Onkelz. Ihr könnt euch auf vier Digipacks + Mini-DVD “Live auf der Loreley” freuen. Denn die Onkelz erzählen auf “Lieder wie Orkane” ihre Geschichte – anhand von 50 Songs. Diese Stücke sind keine Ansammlung von Gassenhauern – die sind auf den Liveplatten ausreichend identifiziert und gewürdigt. Nein, “Lieder wie Orkane” versammelt die Songs, die die Karriere der Onkelz beschreiben. Ein Tagebuch, vielleicht auch so etwas wie ein Leitfaden zum Verständnis der Band. Die vier CDs versammeln zahlreiche Songs aus der zweiten Reihe: Lieblingshits von Kevin, Pe, Gonzo und Stephan oder auch solche, die viel mehr über das Selbstverständnis der Band sagen, als all die “Mexico”, “So sind wir” und “Heute trinken wir richtig”. Aus einem Katalog von knapp 300 Stücken 50 – nennen wir sie “repräsentative” – auszuwählen ist eine Mammutaufgabe und es war spannend zu sehen, welcher Onkel welche Favoriten auf den Tisch gelegt hat. “Lieder wie Orkane” ist dadurch aber keineswegs der “kleinste gemeinsame Nenner” geworden, sondern das, worauf man sich geeinigt hat. Überschneidungen blieben drin, Einzelmeinungen flogen raus. Ein klares Statement!

Dazu haben wir die Archive geöffnet und als Bonus von euch vielfach gewünschtes und von uns ebenso hoch geschätztes Livematerial an die Luft befördert: “Live auf der Loreley”. Wir erinnern uns alle noch mit großer Freude an diese beiden Juli-Abende 2003 in dieser einzigartigen Kulisse. Ihr hattet Recht: Das Material war zu fett, die Atmosphäre zu geil, als dass man diese Aufnahmen ungesehen lassen können. Deshalb gibt es mit “Ein langer Weg”, “Auf gute Freunde”, “Der Platz neben mir” und “Ich bin in dir” vier Songs – schön roh und mit großartigen Bildern – als Extra oben drauf.

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Ein Plädoyer für die Onkelz

9. Oktober 2011 - 11:12 Uhr

Hallo Freunde

Ich habe mich lange nicht mehr zum Thema „Onkelz“ geäußert. Was sollte man auch schreiben, wenn keiner die Wahrheit hören wollte? Wenn wir aus gutem Grund einen Teil davon nicht preisgeben wollten und sogar ich selbst ein Stück weit vor der Vergangenheit geflohen bin?
Seit einiger Zeit aber drängen sich die Onkelz wieder zurück in mein Gefühlsregister. Diese Gedanken muss ich einfach mit euch teilen. Warum das und warum jetzt? Weil ich spüre, dass ich jetzt in der Lage dazu bin. Ich kann jetzt ohne Ressentiments, ohne „wenn und aber“ auf das Geschehene zurückblicken. Darüber hinaus kann ich wieder fühlen, wie besonders die Onkelz waren und für mich immer noch sind. Ja, ich kann sogar wieder Onkelz-Songs hören! Ich stelle fest, dass die Tränen getrocknet und die Wunden geleckt sind. Zumindest was mich betrifft. Ich hatte ausreichend Zeit, meinen Frieden mit allen und mit allem zu machen und murmle mantramäßig vor mich her, dass man alles überleben kann, nur nicht den Tod. Ich weiß das, weil ich nicht mehr unweigerlich den Kopf einziehe und in Deckung gehe, wenn das Thema Onkelz aufkommt. Ich lernte demütig meine Lektion in „Verzeihen“. Dazu setzte ich mich immer und immer wieder auf die Stühle der anderen. Auch auf Deinen!
Was in den letzten Jahren passiert ist, war schwer zu verarbeiten. Das gebe ich zu. Aber es ist möglich, das weiß ich, diene ich mir selbst doch gerade als Beispiel. Und das ist auch der eigentliche Grund für diese Zeilen.
Traurig beobachte ich nun seit geraumer Zeit, wohin eure und unsere Reise geht. Eine Armee einst unglaublich treuer Fans spaltet sich in Kevin-, Gonzo- oder Stephan-Lager, in Jung- und in Altfans, in Onkelz-Gegner und die Ewig-Treuen. Ich kann es euch nicht einmal verübeln, denn schließlich trugen wir, die Onkelz, einen entscheidenden Teil dazu bei. Wir waren zugegebenermaßen nicht gerade leuchtende Vorbilder. Die Querelen zwischen Gonzo und mir, Kevins Unfall und möglicherweise mangelnde Informationen eigneten sich bestens dazu, wild zu spekulieren und der eigenen Fantasie freien Lauf zu lassen. Und wir haben zugeschaut, waren zu beschäftigt mit der eigenen Verarbeitung und wohl auch zu paralysiert, um in dieser Zeit, die richtigen Worte zu finden. Diese Kritik müssen wir uns also gefallen lassen. Nur die Dimension, die eure Kritik angenommen hat, die Dynamik, die sie enthält, der gilt es nun Einhalt zu gebieten. Steht sie meiner Ansicht nach in keinem Verhältnis zu dem, was man uns als Band vorwerfen kann.

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